Mario starrte ihn mit vorgeschobenen Kopfen an.
Er schien seine Lage und das Publikum vergessen zu haben.
Die roten Flecken um seine Augen hatten
sich vergrößert und wirkten wie aufgemalt.
Ich habe das selten gesehen.
Seine dicken Lippen standen getrennt.
»Und er macht dir Kummer, dieser Engel!«
fuhr Cipolla fort.
»Oder vielmehr du machst dir Kummer um ihn!
Das ist ein Unterschied,
mein Lieber,
ein schwerwiegender Unterschied,
glaube mir.
In der Liebe gibt es Missverständnisse.
Man kann sagen,
dass das Missverständnis nirgends so sehr zu Hause ist wie hier.
Du wirst meinen,
was versteht der Cipolla von der Liebe?
Er mit seinem kleinen Leibeschaden.
Irrtum, er versteht gar viel davon.
Er versteht sich auf eine umfassende und eindringliche Weise auf sie.
Es empfiehlt sich ihm,
in ihren Angelegenheiten Gehör zu schenken.
Aber lassen wir den Cipolla,
lassen wir ihn ganz aus *** Spiel und denken wir nur an Silvestra,
deine reizende Silvestra!
Wie,
sie sollte irgendeinem krähenden Hahn vor dir den Vorzug geben,
sodass er lachen kann und du weinen musst?
Den Vorzug vor dir,
einem so gefühlvollen und sympathischen Burschen?
Das ist wenig wahrscheinlich, das ist unmöglich.
Wir wissen es besser,
der Cipolla und sie.
Wenn ich mich an ihre Stelle versetze,
siehst du,
und die Wahrlabe zwischen so einem geteerten Lümmel,
so einem Salzfisch und Meeresobst und einem Mario,
einem Ritter der Serviette,
der sich unter den Herrschaften bewegt,
der den fremden Gewand Erfrischungen reicht,
und mich liebt mit warm, heißem Gefühl,
meiner Treuse ist die Entscheidung
meinem Herzen nicht schwer gemacht.
So weiß ich wohl, wem ich es schenken soll,
wem ganz allein ich es längst schon errötend geschenkt habe.
Es ist Zeit,
dass er es sieht und begreift,
mein Erwählter.
Es ist Zeit,
dass du mich siehst und erkennst, Mario,
mein Liebster.
Sage, wer bin ich?
Es war gräulich,
wie der Betrüger sich lieblich machte,
die schiefen Schultern kokett verdrehte,
die Beutelaugen schmachten ließ und in süßlichem
Lächeln seine splitterigen Zähne zeigte.
Ach,
aber was war während seiner verblendenden
Worte aus unserem Mario geworden?
Es wird mir schwer, es zu sagen,
wie es mir schwer wurde, es zu sehen,
denn das war eine Preisgabe des Innigsten,
die öffentliche Ausstellung verzagter
und wahrhaft beseeligter Leidenschaft.
Er hielt die Hände vorm Munde gefaltet,
seine Schultern hoben und senkten sich in gewaltsamen Atemzügen.
Gewiss traute er vor Glück seinen Augen und
Ohren nicht und vergass eben nur das eine dabei,
da es ihnen wirklich nicht trauen durfte.
Silvestra
hauchte er überwältigt aus tiefster Brust.
»Küsse mich«, sagte der Bucklige,
»glaube, dass du es darfst.
Ich liebe dich.
Küsse mich hierher«,
und er wies mit der Spitze des Zeigefingers,
Handarm und kleinen Finger wegspreizend,
an seine Wange nahe *** Mund.
Und Mario neigte sich
und küsste ihn.