Er musterte ihn lässig,
herrscherlich und heiter von oben bis unten.
»Was ist denn, Ragazzo mir
?« sagte er.
»So spät machen wir Bekanntschaft?
Dennoch kannst du mir glauben,
dass ich die deine längst gemacht habe.
Aber ja, ich habe dich längst ins Auge gefasst
und mich deiner vortrefflichen Eigenschaften versichert.
Wie konnte ich dich wieder vergessen?
So viele Geschäfte, weißt du?
Sag mir doch, wie nennst du dich?
Nur den Vornamen will ich wissen.« »Mario
heiße ich,« antwortete der junge Mensch leise.
»Ah, Mario, sehr gut, doch der Name kommt vor.
Ein verbreiteter Name, ein antiker Name,
einer von denen,
die die heroischen Überlieferungen des Vaterlandes wach erhalten.
Bravo, Salve!«
Und er streckte arm und flacher Hand aus seiner
schiefen Schulter zum römischen Gruße schräg aufwärts.
Wenn er etwas betrunken war,
so konnte das nicht Wunder nehmen,
aber er sprach nach wie
vor sehr klar akzentuiert und geläufig,
wenn auch um diese Zeit in sein ganzes Gehaben und
auch in den Tonfall seiner Worte etwas Sattes,
Paschahaftes,
etwas von Räkelei und Übermut
eingetreten war.
»Also denn,
mein Mario,« fuhr er fort,
»es ist schön,
dass du heute Abend gekommen
bist und noch dazu ein so schmuckes Haltstuch angelegt hast,
das dir exzellent zu Gesichte
steht und dir bei den Mädchen nicht wenig zustatten kommen wird,
den reizenden Mädchen
von Torre di Venere.«
Von den Stehplätzen her,
ungefähr von dort,
wo auch Mario gestanden hatte,
ertönte ein
Lachen.
Es war der Giovanotto mit der Kriegsfigur,
der es ausstieß.
Er stand dort mit seiner
geschulterten Jacke und lachte,
ha,
ha,
sehr roh und höhnisch.
Mario zuckte, glaube ich, die Achseln.
Jedenfalls zuckte er.
Vielleicht war es eigentlich ein
Zusammenzucken und die Bewegung der Achseln
oder eine halbnachträgliche Verkleidung dafür,
mit der er bekunden wollte,
dass das Haltstuch,
sowohl wie das schöne Geschlecht,
ihm gleichgültig
sei.
Der Kavalier blickte flüchtig hinunter.
»Um den da kümmern wir uns nicht,« sagte
er.
»Er ist eifersüchtig,
wahrscheinlich auf die Erfolge deines Tuches bei den Mädchen.
Vielleicht auch,
weil wir uns hier oben so freundschaftlich unterhalten,
du und ich.
Wenn
er will, erinnere ich ihn an seine Kolik.
Das kostet mich gar nichts.«
»Sage ein bisschen,
Mario,
du zerstreust dich heute Abend.
Und am Tage bedienst du
also in einem Kurzwarengeschäft.« »In
einem Café,« verbesserte der Junge.
»Vielmehr in einem Café,« da hat der Cipolla einmal danebengehauen.
»Ein Camarillero bist du,
ein Schenke,
ein Garni mit.
Das lass ich mir gefallen.
Noch eine Antikerinnerung.
Salvietta.«
Und dazu streckte der Kavalier zum Gaudium
des Publikums aufs Neue grüßend *** Arm aus.
Auch Mario lächelte.
»Früher aber,« flochte dann rechtlicherweise ein,
»habe ich einige Zeit in Porto Clemente
in einem Laden bedient.«